+39 339 410 7833 felderhof@rolmail.net

Ein Züchter bezeichnet Pflanzen dann als samenfest, wenn aus dem von ihnen gewonnen Samen „familienähnliche“, erkennbar der elterlichen Sorte angehörende Nachkommen gezogen werden können. Hybridpflanzen sind nicht samenfest. Sie sind das Ergebnis von gekreuzten Elternlinien mit sehr speziellen, zum Teil extremen Eigenschaften. Die Samen der gleichförmigen Hybridpflanzen ergeben sehr heterogene, „auseinanderfallende“ Nachkommen. Sie weisen nur eine geringe Ertragskraft auf.

Samenfest ist eine Pflanzensorte dann, wenn aus ihrem Saatgut Pflanzen wachsen, die dieselben Eigenschaften und Gestalt haben, wie deren Elternpflanzen. Das bedeutet, die Sorte kann wie früher natürlich vermehrt werden. Sie wird durch Wind oder Insekten bestäubt.
Solche Sorten sind meist alte Sorten, aber in der ökologischen Züchtung entstehen auch viele neue samenfeste Sorten.

Was sind Landsorten?

Bei Getreide gab es früher und gibt es teils heute noch sogenannte Landsorten. Diese bestehen aus Populationen und sind in diesem Sinne auch samenfest. Hier finden sich die unterschiedlichsten Einzelpflanzen innerhalb der Population; trotzdem kann man von einer Sorte sprechen, weil erkennbare Sorteneigenschaften vorhanden sind. Auch in Gemüsesorten sind die Pflanzen nicht alle identisch, sondern bewegen sich innerhalb einer Bandbreite von Eigenschaften. Hybride In den Anfängen des letzten Jahrhunderts hat die Hybridzüchtung in der Pflanzenzucht Einzug gehalten. Bei dieser Züchtung müssen zuerst einmal reinerbige Inzuchtlinien erzeugt werden. Dies geschieht durch Selbstung, auch Inzucht genannt. Erfolgreich ist dies bei Mais gelungen. Diese Linien entstehen in 7 bis 10 Inzucht-Generationen. Dabei wird darauf geachtet, dass nur gesunde und leistungsfähige Linien weiter geführt werden, obwohl die Pflanzen dabei immer kleiner werden. Die eigentliche Leistung wird zeitlich parallel in Topcross-Kreuzungen und damit verbundenen Ertragsversuchen gemessen.

Saatgut – von Märkten und Sorten

Immer weniger große Konzerne kontrollieren heute die Welternährung. Das fängt auf dem Acker an: Über die Hälfte des Welt-Saatgutmarkts ist bereits in der Hand der drei Unternehmen Monsanto, Dupont und Syngenta. Was zur Folge hat, dass weltweit immer weniger Sorten angebaut werden und fast nur noch Hochleistungssorten. Die aber bringen ihren hohen Ertrag nur unter Hochleistungsbedingungen, also bei ausreichender Bewässerung und auf stark gedüngten Böden und mit hohem Pestizideinsatz.

Was dabei verloren geht, ist die Vielfalt der Kultursorten. Die Menschheit hat seit der Erfindung des Ackerbaus eine enorme Vielfalt an Kulturpflanzen entwickelt – angepasst an die jeweiligen örtlichen Verhältnisse, an Klima, Temperatur und Boden und an die kulturellen Gewohnheiten. „Saatgut ist ein Geschenk der Natur, vergangener Generationen und unterschiedlicher Kulturen“, erklärt das Manifest zur Zukunft des Saatguts. „Wir haben die Verantwortung, es zu schützen und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Saatgut steht am Anfang der Nahrungskette. Es ist Ausdruck der biologischen und kulturellen Vielfalt und Ausgangspunkt künftiger Entwicklung und Evolution.“

Sorten für jedes Klima und jeden Geschmack

So gibt es mindestens 100.000 Reissorten, mindestens 25.000 Sorten Tomaten und allein in Deutschland über 3000 Sorten an Äpfeln. Es ist die Stärke dieser regionalen Sorten, dass manche von ihnen auch unter ungünstigen Bedingungen zurechtkommen, auch wenn sie dafür weniger Ertrag liefern. Daher ist diese Sortenvielfalt nicht nur ein wichtiges Kulturgut, sondern vor allem ein wertvolles Genreservoir. Die breite genetische Basis bietet der Pflanze die Möglichkeit, sich an neue und unvorhergesehene Entwicklungen wie Krankheiten oder Klimaänderungen anzupassen.

Doch diese Vielfalt ist rapide im Verschwinden begriffen. Laut einer Schätzung der FAO, der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind im 20. Jahrhundert bereits rund 75 Prozent der Sorten vernichtet worden. Die Folge ist, dass immer weniger Sorten, die immer weniger Firmen gehören, einen immer größeren Anteil der Welternährung ausmachen. Vor allem aber können immer weniger Bauern noch ihr eigenes Saatgut anbauen. Die Landwirte sind nur noch Kunden der Konzerne und müssen das anbauen, was diese ihnen anbieten. Und dadurch werden sie völlig abhängig: Sie müssen das Saatgut jedes Jahr neu kaufen, dazu den passenden Kunstdünger und die entsprechenden Pestizide.

Inzwischen ist die Saatgutherstellung genauso globalisiert wie die von Handys oder Fernsehern und wird von wenigen weltweit operierenden Unternehmen dominiert. Die Zucht und Herstellung des Hybridsaatguts, das den Markt dominiert, findet größtenteils in Billiglohnländern statt.